NZZ-Folio vom Februar 2002
Aus dem Vereinsleben
Bitte ribeln!
Herr Künzler, Sie sind Präsident des Vereins Rheintaler Ribelmais. Was ist denn an Ihrem Mais so besonders?
Unser Mais ist weiss-beige, und dass er anders ist, schmeckt man. Vor allem ist der Ribelmais aber Teil unserer Identität. Wir Rheintaler sind mit ihm gross geworden. Früher ass man Maisbrei zum Zmorge und zum Znacht, er war unser tägliches Brot. Unser Verein will dafür sorgen, dass dieses Erbe nicht ganz verlorengeht.
Wie das? Maisbrei ist nun einmal nicht jedermanns Sache.
Tatsächlich ist die Anbaufläche von rund 3000 Hektaren innerhalb des letzten Jahrhunderts auf knapp 3 geschrumpft. Und was da bis vor kurzem unter der Bezeichnung Rheintaler Ribel noch angeboten wurde, stammte meistens aus Südamerika. Die im neuen Landwirtschaftsgesetz verankerte geschützte Ursprungsbezeichnung gibt unserem Ribel nun aber wieder eine Chance: Er kann als echte regionale Spezialität vermarktet werden. Dieser Aufgabe widmet sich unser Verein, dem Landwirte, Müller, Agronomen und Gastronomen angehören. Wir haben die Anbaufläche auf 14 Hektaren erweitert, betreiben Öffentlichkeitsarbeit und suchen nach Innovationen auf dem Gebiet der Zubereitung und Verwendung des Ribels. So gibt es neuerdings auch ein Ribelbier.
Woher stammt eigentlich die Bezeichnung Ribel?
Das hat mit der Zubereitung zu tun. Traditionell wird der Maisgriess mit Milchwasser und Salz aufgekocht. Darauf lässt man das Ganze aufquellen, schliesslich wird es in der Pfanne gebraten, wobei ständig in der Masse herumgestochert werden muss, damit alles gleichmässig knusprig wird. Dieses Stochern ist das Ribeln. Manchmal sagt man auch Türkenribel, weil der Mais von Südamerika über die Türkei nach Europa kam.
Wird Ihr Ribel auch exportiert?
Der weitaus grösste Teil wird lokal konsumiert. Wir haben aber ein Entwicklungsprojekt in Nordkorea am Laufen, wo unsere alte Landsorte sehr gut ankommt. Die Nordkoreaner sind sehr froh über unseren Ribel.
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