Sonnenbräu wird das erste nur aus Schweizer Rohstoffen gebraute Bier auf den Markt bringen
Rheintaler vom 16. Mai 2002
Maisbier wird zum Culinarium-Bier
Das Sonnenbräu-Maisbier dürfte bald zu hundert Prozent aus regionalen Rohstoffen bestehen: Ab diesem Jahr wird im Rheintal Sommer-Braugerste angebaut, aus der das Malz entsteht. Damit erfüllt das «Ribel-Bier» die Kriterien für das Culinarium-Label.
HANSRUEDI WIESER
REBSTEIN/WIDNAU. Das Culinarium ist ein Gemeinschaftsprojekt von Landwirtschaft, Gastronomie und Tourismus. Mit dem La- bel werden jene Verarbeitungs- und Gastronomiebetriebe ausgezeichnet, deren unverarbeitete Lebensmittel zu hundert Prozent aus der Region stammen, verarbeitete zu fünfzig Prozent. Auf der Flaschen-Etikette des Sonnenbräu-Maisbiers dürfte der Text nach einer erfolgreichen Braugersten-Ernte dann heissen: «Rheintaler Ribel-Bier ist gebraut aus Stammheimer Hopfen, Malz aus der Region Rheintal-Werdenberg und währschaftem weissen Rheintaler Mais aus kontrolliertem Anbau mit geschützter Ursprungsbezeichnung (GUB)». Sonnenbräu-Geschäftsleiter Arnold Graf liess gestern offen, ob ein spezielles Culinarium-Bier kreiert wird.
Im Sommer erste Braugerste
Der wichtigste Rohstoff des Biers ist das Malz, das bis jetzt aus dem Ausland importiert wird. Und zwar aus verschiedenen Regionen, weil der Anbau von Braugerste nicht ohne Risiken ist und die Erntemenge sehr vom Wetter abhängt. Sechs Landwirte, fünf Werdenberger und der Widnauer Paul Nüesch, bauen unter Aufsicht der Landwirtschaftlichen Schule Salez auf rund sechs Hektaren die zweizeilige Braugersten-Sorte Scarlett an. Daraus wird das erste Schweizer Bier der Neuzeit mit Malz aus Schweizer Gerste gebraut. An den Rändern der Brau- gerste-Äcker liess die Sonnenbräu Informationstafeln aufstellen, auf denen das Projekt vorgestellt wird. Die Rheintaler Braugerste wird nach der Ernte direkt in den Getreidespeicher der E. Lütolf AG in St. Margrethen gebracht. Im Spätherbst wird das Getreide in der kleinen Mälzerei Laupheim im Raum Ulm zu Malz verarbeitet. Anschliessend gelangt es in die Sonnenbräu.
Auf Alternativen-Suche
Zwischen 30 000 und 36 000 Kilo Körner dürfte die Ernte ergeben, denn es wird ein Ertrag pro Hektare zwischen 5000 und 6000 Kilo erwartet, wie Heinz Müller von der Fachstelle Pflanzenbau/Ackerbau am «Rheinhof» sagte. Mit dem Ertrag einer Hektare können rund 30 000 Liter Bier gebraut werden. Die gewählte Sorte erbringt normalerweise den nötigen mini- malen Eiweissgehalt, hohen Voll- gerstenanteil und optimale Mälz- und Braueigenschaften. Der einzige Nachteil ist ihre Krankheitsan- fälligkeit, weshalb auch sechs Alternativ-Sorten getestet werden. Stellvertretend für die beteiligten Landwirte hielt Paul Nüesch fest, dass die Bauern sich mit Alter- nativprodukten befassen müssen, weil die Schweizer Landwirtschaft auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig ist. Er weiss, dass er seinen Acker gut im Auge behalten muss, wenn er Krankheiten erkennen und bekämpfen will. Doch er ist zuversichtlich, hier ein weiteres Standbein gefunden zu haben.
ID-Nr. Rheintaler 657042
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