Rheintaler vom 27.9.2009
Erfolgsgeschichte Rheintaler Ribel Bild Hannes Thalmann
Olma-Sonderschau «Alte Kulturpflanzen» (3): Mais
ST. GALLEN. Im Landwirtschaftlichen Zentrum am Rheinhof in Salez wird seit 2002 Rheintaler Ribel angepflanzt, dessen Körner aus den 60er- und 70er-Jahren stammen.
PETER MÜLLER
Ein Maiskorn verfügt über eine erstaunliche Vitalität. Richtig gelagert, kann es bis zu 50 Jahre keimfähig bleiben. Fachleute haben das Saatgut für den Rheintaler Ribel gesammelt und in der Genbank der Forschungsanstalt in Changins eingelagert. Nach dem Auspflanzen machte man in Salez eine verblüffende Entdeckung: Die Maisstauden waren entschieden kleiner und frühreifer als die heutigen gesammelten Sorten.
Kontinuierliche Anpassung
Wie war das zu erklären? An der Lagerung in Changins konnte es nicht liegen – das zeigten Tests. Vorderhand bleibt man auf Hypothesen angewiesen, wie Hans Oppliger erläutert, Geschäftsführer des Vereins Rheintaler Ribelmais und Fachberater für Imkerei am Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen: «Vor 50 Jahren hatten es die Pflanzen nicht so feudal. Die Böden waren nährstoffärmer. Zudem war das Klima anders.» Das führte dazu, dass die Bauern im Laufe der Generationen immer diejenigen Maissorten vermehrten, welche trotz der kargen Bedingungen noch produzieren konnten. Die Pflanzen waren kleiner und frühreifer.
Als sich dann die Rahmenbedingungen veränderten, nahmen die Bauern Saatgut von denjenigen Stauden, welche am besten gediehen. So erlebte der Ribel in den folgenden 30 bis 40 Jahren eine kontinuierliche Anpassung an die neuen Lebensbedingungen – er wurde grösser und ertragreicher. Hans Oppliger meint in diesem Zusammenhang, jeder alten Kulturpflanzensorte gebühre ein gewisser Respekt: «Dahinter steckt immer die Arbeit von Generationen.»
Der 1998 gegründete Verein Rheintaler Ribelmais beschäftigt sich nicht nur mit solchen Hypothesen. Der Ribel ist ein Speisemais, der über eine grosse genetische Vielfalt verfügt. Mit der Modernisierung der Ernährung und den Veränderungen in der Landwirtschaft wäre dieses Kulturgut aber beinahe verlorengegangen. Gerade noch rechtzeitig konnte der Verein in den letzten acht Jahren 40 regionale Bestände sichern.
«Eigentliche Detektivarbeit»
Fündig wurde er vor allem bei alten Bauern. «Es war eine eigentliche Detektivarbeit», erzählt Hans Oppliger. Erhalten werden kann der Rheintaler Ribel letztlich aber nur, wenn er auch wieder auf die Felder, in die Ladenregale und auf den Esstisch kommt. Und so ist der Verein Rheintaler Ribelmais denn auch ein Zusammenschluss von Produzenten, Verarbeitern, regionalem Gewerbe und weiteren Interessierten, die das traditionelle Produkt gemeinsam weiterentwickeln.
Für Hans Oppliger kann man bereits von einer Erfolgsgeschichte sprechen: «Das Produkt ist im Handel und der Gastronomie gefragt. Alle, die mitmachen, verdienen etwas daran.»
Forschungsprojekt der ETH
Zu sichern sind aber auch diese aktuellen Sorten. Von jeder sind in Lausanne zwei Kilo Saatgut eingelagert. Dazu kommt je ein Muster in einem hochgesicherten Lager in Deutschland. Zudem ist die ETH Zürich damit beschäftigt, in einem Forschungsprojekt die Verwandtschaftsbeziehungen der Schweizer Maissorten zu untersuchen. «Das Ganze ist sehr kompliziert», meint Hans Oppliger. «Aber vielleicht kommt da tatsächliches Neues über den Rheintaler Ribel ans Licht.» |